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Modern Baseball und PUP im Cassiopeia (Berlin): Emo-Teens im Jurassic Park- und Mickey Mouse-Shirt bleiben hinter Senkrechtstartern

Berlin und Punkrock. Das verbinden viele Konzertbesucher aus der Hauptstadt automatisch mit dem Cassiopeia. In der Tat steigen hier wohl die besten Punk- und Hardcore-Shows und das in gemütlicher Atmosphäre. Am 19.04.16 beehren den Kult-Schuppen Three Man Cannon, PUP sowie Modern Baseball und füllen den Laden an einem Dienstag Abend ordentlich.

Als Three Man Cannon den Abend eröffnen, herrscht bei den bereits Anwesenden reges Interesse. Ihr Stil, irgendwo zwischen Rock/Alternative angesiedelt, klingt jedoch schon nach dem zweiten Song einfältig, belanglos und bietet während der gesamten Show keine Höhepunkte und keinen Ansatz von Dynamik, sondern nur Langeweile. Was als unauffälliger Opener startet, endet nach kurzer Aufmerksamkeitsspanne in der Hoffnung, dass die Band nicht all zu viele Songs auf ihrer Setlist stehen hat. Letztendlich fordert das Publikum keine Zugabe und Three Man Cannon verlassen die Bühne.

PUP aus Kanada gehen dagegen selbstbewusster auf die Bühne. Schließlich drängt sich die Anhängerschaft bereits während dem kurzen Soundcheck vor der Stage. Mit dem ersten Ton und dem sensationell gelungenen Debütalbum „PUP“ im Schlepptau, stehen die Fans Kopf. Sie singen und feiern jeden einzelnen Song mit Enthusiasmus sowie Leidenschaft und übertönen dabei sogar den grinsenden Frontmann bei den eingängigen Gesangsparts. Vom kommenden Album gibt es „If This Tour Doesn’t Kill You, I Will“, „DVP“ und einen bis dato unveröffentlichten Song. Neben Sänger Stefan sind die restlichen Bandmitglieder ebenfalls gut gelaunt, weshalb PUP immer Zeit für einen Lacher oder einen Witz übrig haben und sich für die große Unterstützung bei ihren Fans gar nicht oft genug bedanken. Dass die Senkrechtstarter mit einem Album und dem zweiten Konzert in Berlin solche Lorbeeren einfahren, darüber waren die Kanadier wohl selbst überrascht. Doch das alt bewährte Zeug trifft genau den Nerv des feiernden Publikums und Titel wie „Lionheart“, „Dark Days“ sowie „Reservoir“ zählen schon jetzt zu den Juwelen der neueren Punk-, Garage-, Indie-Geschichte.

Danach sucht Modern Baseball den Anschluss. Doch die Band hat es nach PUP alles andere als leicht. Die vier Jungs punkten mit ihrem poppigen Emo Indie Rock vor allem bei den Die Hard-Fans. Während PUP sicherlich einige neue Hörer überzeugen konnte, schafft das Modern Baseball zumindest mit PUP-Anhängern nicht. Das schüchterne Auftreten als High School-Band ist witzig und tatsächlich überkommt den Zuhörer ein Gefühl von Unbeschwertheit und man fühlt sich an den Tag erinnert, an dem man das erste Mal „American Pie“ sah. Ein fülliger Gitarrist im Jurassic Park-Shirt, ein Basser im Mickey Mouse-Shirt und Stirnband im zotteligen Haar, zudem ein weiterer Gitarrist mit Wollmütze und ein Schlagzeuger ohne besondere Auffälligkeiten. Alle zusammen harmonieren irgendwie und als freundschaftliches Kollektiv bleiben sie bestimmt für immer 16 Jahre alt. Jeder singt mal bei Songs wie „Weekend“, doch neben der Abfolge von Song, Applaus, nächster Song, passiert während des Konzertes nicht viel. Bei all den pubertierenden Problemen die Modern Baseball besingen, stehen den Jungs die Emotionen im Gesicht geschrieben, jedoch bleibt der musikalische Anspruch auf der Strecke und das Konzert lebt vor allem von den Oberflächlichkeiten der Teenager-Musiker.

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