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News und Reviews aus Alternative, Punk, Hardcore und Metal

Die besten Punk-/Hardcore- und Metal-Alben 2014

Gerade eben habe ich mich noch im Flieger von Rio nach Frankfurt über die depressiven und ernsthaften Gesichter der Deutschen lustig gemacht und Hände faltend in der Lufthansa-Boeing um ein Stückchen Platz für meine breiten Schultern gebetet, schon steht die Jahresbestenliste für das Jahr 2014 an. Wer für sein Masterarbeitsthema ins 10.000 km weit entfernte Brasilien für ein paar Interviews fliegt, hat dementsprechend nicht viel Zeit für andere Dinge. An dieser Stelle: Entschuldigung dafür, dass der Blog seit Ende Juli nicht mehr aktualisiert wurde. Ich hoffe, es hat euch nicht davon abgehalten, weiterhin auf eigene Entdeckungsreise zu gehen.

Unserer redaktionellen Pflicht für dieses Jahr möchten wir dennoch nachkommen. Es beschert uns ebenfalls Freude die 10 Scheiben zu präsentieren, welche uns über die letzten Monate ans Herz gewachsen sind. Dabei finden sich dieses Mal neben alten Hasen im Business weitaus mehr junge Bands unter den Top 10 als im vergangenen Jahr, während der Punk-/Hardcore-Anteil unter der Bestenliste ebenfalls wesentlich zugenommen hat. Grund dafür möge unserer Besuch im Ramones Museum in Berlin gewesen sein.

Deshalb verwundert es nicht, dass die kalifornischen Jungs von Rancid und Lagwagon mit ihrem gute-Laune-Punkrock unter den besten Platten für das Jahr 2014 landeten. Während Tim Armstrong und Co. mit „…Honor Is All We Know“ uns gewohnt abwechslungsreich mit Punkrock- und Ska-Songs sowie authentischen Texten auf dem zehnten Platz unterhalten, überzeugt Lagwagons Album „Hang“ mit eindrucksvollen melodischen Songs, welches trotz klarer Produktion jede Menge Spaß beim Skaten oder Pogen bereitet. Nach neun Jahren war ein neues Studioalbum längst überfällig. Wir freuen uns über das neue Lebenszeichen und belohnen Lagwagon mit dem neunten Platz.

Mit einem kleinen Vorsprung folgt die Überraschung des Jahres. PUP sind eine neu gegründete Punk-/Garage Rock-Band aus Kanada und lassen keinen Keller und keine Garage trocken. 10 Titel mit einprägsamem Gesang und energischen Musikern machen jeden Song zum schweißtreibenden Hit. Damit zählt das Vierergespann mitunter zu den heißen Newcomern und wir können es kaum erwarten, bis PUP unsere Häuser und Garagen in Schutt und Asche legen. Der achte Platz haben die Kanadier mehr als verdient.

Während Max Cavalera zu meiner Jugendzeit sicherlich den größten Einfluss mit Soulfly (erst später mit Sepultura) darstellte und den Grund für mein Brasilien-Faible ist, hatte es der brasilianische Zottel mit seinen Veröffentlichungen nach „Dark Ages“ bei mir verscherzt. Da die spirituellen, politischen und gesellschaftskritischen Themen verschwanden und auch Cavalera Conspiracy in der Vergangenheit genauso einfallslos klang wie Soulfly, haut das Superstar-Projekt Killer Be Killed auf dem siebten Platz umso mehr in die Kerbe. Greg Puciato (The Dillinger Escape Plan), Troy Sanders (Mastodon), Dave Elitch (Ex-Mars Volta) und Max Cavalera mit drei unverkennbaren Stimmen und ultra brutalen Riffs liefern eine weitere Überraschung ab, mit der niemand so gerechnet hatte. Inhaltlich bleibt das Projekt zwar ein trockenes Fass, jedoch gibt es hier unglaublich viel Innovation und Umtriebigkeit talentierter Musiker zu bestaunen. Ein Gig für das Soundwave 2015 ist bereits bestätigt, weitere Shows sind geplant. Wir sind gespannt.

Während neue deutschsprachige Bands wie Blumen im Frühling aus dem Boden sprießen, zählen Marathonmann sicherlich seit „Holzschwert“ zu den geübten und qualitativ hochwertigen Bands. „…und wir vergessen was vor uns liegt“ übertrumpft seinen Vorgänger zwar nicht, erreicht mit Songs wie „Diese Hände“ oder „Zwei mal Zwei“ jedoch das gleiche Niveau und steht zurecht auf dem sechsten Platz. Einen Rang weiter vorne, mit einer tougheren Attitüde und einem dick aufgetragenen Sound feierten die N.Y.H.C.-Legenden Madball mit „Hardcore Lives“ während dem diesjährigen With Full Force-Festival auf der großen Bühne eine gelungene Show und lieferten zugleich das Statement des Jahres ab. Ob „Doc Martens Stomp“, „DNA“ oder „Born Strong“, keine Party kam ohne einen der drei Granaten in diesem Jahr aus.

Auf dem vierten Platz scheint die Post-Hardcore-Band More Than Life im Gegensatz zum New Yorker-Schwergewicht weitaus mehr auf Melodie zu setzen und mischt ihrem Melodic Punk-/Hardcore-Gebräu eine einfühlsame Authentizität bei, sodass dem zweiten Studioalbum „What’s Left Of Me“ die rohe Produktion zugutekommt und die Briten Emotionen durch die Röhre schießen, wie keine andere Band in diesem Bereich. Neben alten Hasen und jungen Bands dachte sich Boysetsfire-Frontmann Nathan Gray 2011 als erfahrener Sänger: warum nicht noch eine Band gründen? I Am Heresy klingen dagegen weitaus düsterer als Boysetsfire und sein neues Unternehmen gibt dem Graubärtigen nie da gewesene Freiheiten, sich über Kirche und Religion auszulassen, ohne dabei auf den typischen melodischen Gesang zu verzichten. Ein Platz auf dem dritten Rang ist ihm mit der bereits zweiten Veröffentlichung „Thy Will“ deshalb sicher.

Comeback Kid zählen längst zur oberen Klasse der Hardcore-Szene und genießen einen guten Ruf als Liveband. 2014 fegten sie mit „Die Knowing“ auf der „Impericon Never Say Die!-Tour“ sowie auf der „Die Knowing European Tour“ alles weg, was sich ihnen in den Weg stellte. Ob „Should Know Better„, „Lower The Line“ oder „Didn’t Even Mind“, mit Comeback Kid ist immer zu rechnen. Deshalb bekommen die Kanadier für Spielfreude, Kreativität und die perfekte Live-Umsetzung den zweiten Platz von uns verliehen.

Genauso hart, jedoch ein Stück brutaler gehen Lionheart auf ihrer EP „Welcome To The West Coast“ zu Werke. Obwohl die sieben Songs mehr als EP wie vollwertiges Album durchgehen, liefen die Songs Dauerschleife und zählten bei uns zu den meisten gehörten Songs in diesem Jahr. Während jeder einzelne Song auf ehrliche Weise überzeugt und mit jedem Widersacher abrechnet, trotzen die Hardcore-Schwergewichte nur so vor Energie und lechzen bereits nach weiteren Liveshows. „Rat“, „Hail Mary“ oder „LHHC“ brettern kompromisslos mit New School Hardcore-Anleihen, Street Credibility und Tough Guy-Attitüde durchs Zimmer und animieren zum Pumpen und Durchdrehen gleichermaßen. „Welcome To The West Coast“ öffnet dir die Türen zur kalifornischen Hardcore-Szene und zeigt die Gastfreundlichkeit der Amerikaner. Sicherlich nichts für schwache Nerven und Bettlägerige. 2015 steht die „Taste of Anarchy Tour“ als Support von Nasty an. Spätestens dann geht der letzte Kritiker im Moshpit unter.

01. Lionheart – Welcome To The West Coast

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02. Comeback Kid – Die Knowing

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03. I Am Heresy – Thy Will

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04. More Than Life – What’s Left Of Me

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05. Madball – Hardcore Lives

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06. Marathonmann – …und wir vergessen was vor uns liegt

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07. Killer Be Killed – Killer Be Killed

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08. PUP – PUP

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09. Lagwagon – Hang

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10. Rancid – …Honor Is All We Know

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