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Boysetsfire und Gallows im Astra Berlin

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Für Boysetsfire würde ich vieles tun. Für Boysetsfire mit den Gallows im Vorprogramm sogar alles. Deshalb nehme ich eine 12-stündige Busfahrt von Konstanz nach Berlin auf mich, weil die Briten nicht bei allen Tourdaten mit dabei sind. Ich überrede meine Schwester mit Freundin dazu mitzukommen und stehe plötzlich zum ersten Mal vor einer Bühne in Berlin.

Genau genommen schwitzen wir uns zu dritt im Astra Berlin den Arsch ab, als die Vorband Paper Arms ihren ersten Versuch startet das Publikum zu bearbeiten. Bei den hitzigen Temperaturen gönnen sich die meisten aber eine Zigarette vor dem Club, um dann bei den Gallows pünktlich zu erscheinen. Das Interesse bei den britischen Hardcore-Punkern ist größer als beim Opener, dennoch hält sich das Publikum nach wie vor zurück. Eine kleine eingeschworene Fangemeinde eröffnet den ersten Pit und die Gallows überzeugen mit enthusiastischer Bühnenperformance und zahlreichen Songs vom letzten Album („Last June“, „Cross Of Lorraine“, „Outsider Art“) und einigen Klassikern („In The Belly Of A Shark“, „Misery“) aus der Frank Carter-Ära.

Selbst als großer Fan des ehemaligen Sängers lief bei mir das selbst betitelte Album mit Neuzugang Wade McNeil am Mikrofon seit der Veröffentlichung rauf und runter. Die Live-Umsetzung funktioniert hervorragend, obwohl die Briten mittlerweile nur noch zu viert auskommen müssen, da Galgenbruder Steph Carter die Band verlassen hat. Die Gallows geben sich aber keine Blöße und drehen trotz verhaltenem Publikum kräftig an den Reglern, sodass Gitarrist Laurent „Lags“ Barnard gegen Ende des Konzerts sogar im Publikum badet und den steigenden Stimmungspegel genießt.

Nichtsdestotrotz füllt die Menschenmenge das Astra erst als Boysetsfire die Bühne betreten und mit „Until Nothing Remains“ kompromisslos Stellung beziehen. Seit dem „While A Nation Sleeps…“ draußen ist, spielt die Pressewelt komplett verrückt und Boysetsfire übertragen diese positiven Resonanzen in ihre Setlist und zocken einige neue Songs wie „Closure“ oder „Everything Went Black“ sowie „Bled Dry“ von ihrer vorangegangenen EP. Die Vorfreude wandelt sich in eine kochende Atmosphäre, wo Besucher und Band sich geübt in allen Textzeilen beweisen und lautstark „Empire“, „Release The Dogs“, „After The Eulogy“ oder „Rookie“ mitsingen.

Genau dies macht eben das familiäre Verhältnis zwischen Boysetsfire und ihren Fans aus sowie die freudigen Ansagen der Bandmitglieder, von denen sich einige am Nachmittag Tattoos stechen ließen und nun den Schmerz in der schweißtreibenden Angelegenheit zu spüren bekommen. Nathan Gray trifft seine Töne, ist wie immer überaus freundlich und macht einen sympathischen Eindruck, auch wenn er sichtbar ergraut ist. Nach 90 Minuten ist aber Schicht im Schacht und Boysetsfire verlassen nach zwei Zugaben die Bühne mit strahlenden Gesichtern und überaus glücklichen Fans. Meine Reise ins entfernte Berlin hat sich gelohnt und ich trage die besten Erinnerungen an einen tollen Abend mit mir zurück in meine Heimat.

Bild: www.facebook.com

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7 Antworten

  1. Unser 4-Ohren-Review zur neuen BSF-Platte gibt’s hier zu lesen:

    http://borderlinefuckup.com/2013/06/05/im-kreuzverhor-boysetsfire-while-a-nation-sleeps/

    24. Juni 2013 um 06:07

  2. Pingback: Die besten Punk-/Hardcore- und Metal-Alben 2013 | 24hourhate

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