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Ill Niño – Epidemia

Seitdem Ill Niño ihr Major-Label Roadrunner Records verlassen haben, wurde es zunehmend ruhiger um die Latino-Metaller. Mit Victory Records hat die Band mittlerweile ein bleibendes Zuhause gefunden, wobei die Verkaufszahlen auf ein niedriges Niveau gesunken sind. Trotzdem haben die fünf Jungs aus New Jersey mit den beiden Alben „Enigma“ und „Dead New World“, sowie der EP „The Under Cover Sessions“ ihren eigenen Stil weiterentwickelt und verfeinert, sodass nach jedem Release ein bleibender Eindruck von einer spielfreudigen Band zurückblieb. Dieses Mal können Ill Niño mit ihrem neuen Album „Epidemia“ die Flaute der Verkaufszahlen aber nur bedingt mit musikalischem Können wettmachen.

Während bei den vorherigen Releases die lateinamerikanischen Einflüsse im Zentrum der musikalischen Kreativität stand, verlassen Ill Niño mit „Epidemia“ diesen Bereich zunehmend und begeben sich auf eine Entdeckungsreise durch dunklere Gefilde und thematisieren mit ihrem siebten Studioalbum den Befall eines Virus. Die Vorab-Single „The Depression“ ließ schon Wochen vorher erkennen, dass wieder härtere Riffs ins Repertoire der Band gefunden haben und Sänger Christian Machado an einigen Stellen weitaus tiefer durchs Mikrophon growlt, als bei den Vorgängern. Dabei bekommt der Frontmann dennoch die Kurve zu melodischen Refrains.

Obwohl der Wechsel von bösen Growls zu melodischen Parts hervorragend funktioniert, springt oftmals der Funke zum Hörer einfach nicht über. „Only The Unloved“ beginnt mit typischem Ill Niño- Gesang und wirbelt nach wenigen Sekunden ordentlich Staub durch den Raum, versinkt aber im Refrain in seiner eigenen Asche und als Hörer wünscht man sich zum Beginn des Songs zurück. Dafür gibt es bei „La Epidemia“ Untersützung von EMMURE-Sänger Frankie Palmeri und über eine Länge von über drei Minuten brechen fiese Shouts über den Hörer herein, sodass einem bei der Vorstellung einer tatsächlichen Epidemie Angst und Bange wird. Im Anschluss schieben Ill Niño die auflockernde Nummer „Eva“ mit einem einprägsamen Refrain hinterher, sodass „Epidemia“ in der ersten Hälfe vielschichtig erscheint.

„Demi-God“ verbindet die Härte von „La Epidemia“ mit den Melodien von „Eva“, baut dabei aber keinen Spannungsbogen auf, sodass auch bei mehrmaligem Hören kein nachhaltiger Eindruck bleibt. In dieses Bild reihen sich Songs wie „Death Wants More“ und „Escape“ ein, die mit harten Riffs starten, ihr Versprechen aber im weiteren Verlauf nicht halten, da die Songstruktur zu simpel arrangiert wurde oder der Refrain, wie bei „Escape“, in die Hose geht.

Hin und wieder dringen spanische Phrasen, bei Songs wie „Death Wants More“ und „Only The Unloved“ hindurch, wobei der Anteil im Vergleich zu den ersten drei Ill Niño-Platten verschwindet gering ist. Schade, denn das einstige charakteristische Merkmal der Latino-Metaller vermisst bestimmt der eine oder andere Fan. Lateinamerikanische Einflüsse findet man in „Time Won’t Save You“ am Anfang, wenn die tribalartigen Drums beginnen. Ansonsten treten die heißen Rythmen aus Lateinamerika und das flamenco-artige Gitarrenspiel wie schon beim Vorgänger „Dead New World“ vermehrt in den Hintergrund. „Forgive Me Father“ zeigt die Latinos gegen Ende dann noch von einer sehr poppigen Seite und besitzt ausnahmsweise Ohrwurm-Charakter.

Obwohl Ill Niño mit „Epidemia“ teilweise zu harten Riffs ihrer Anfangstage zurückfinden, nehmen charakteristische Merkmale wie Tribal-Rythmen ab, sodass am Ende nur ein Teil der zehn Songs auf einer Spiellänge von 37 Minuten überzeugen kann. An manchen Stellen mag dies an der spärlichen Produktion des Albums liegen, da einige Songs nicht genügend Durchschlagskraft besitzen. Sicherlich ist es aber darauf zurückzuführen, dass Ill Niño sich auf „Epidemia“ nur mit mittelmäßigem Songwriting präsentieren.

Tracklist:
01. The Depression
02. Only The Unloved
03. La Epidemia
04. Eva
05. Demi-God
06. Death Wants More
07. Escape
08. Time Won’t Save You
09. Forgive Me Father
10. Invisible People

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  1. Pingback: Ill Niño: Jede Menge Stunts im neuen Video zu “Live Like There’s No Tomorrow” | 24hourhate

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