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Caliban – I Am Nemesis

Den ganz großen Durchbruch schaffte „Caliban“ mit dem Album „The Opposite From Within“. Fans der frühen Tage warfen der Band damals vor zu kommerziell zu klingen. Jahre später und einem schwachen Album namens „Say Hello To Tragedy“ glaubte niemand mehr daran, dass die Herren aus dem Ruhrgebiet nochmals das Ruder herumreißen. Mit „I AM NEMESIS“ gelingt dies und wird sofort mit einem Media Control Charteinstieg (Platz 21) belohnt.

Mit „We Are The Many“ wird auch schnell klar weshalb es zu einer so hohen Platzierung kam. Der Song groovt verdammt hart und man wird mit einem abwechslungsreichen Drummer überrascht. Die Stimme von Andreas Dörner erschallt im höchstmöglichen Stadium einer Aggression. Dabei greifen ihm u.a. seine Kollegen Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn), Mitch Lucker (Suicide Silence) und Benny Richter (The Mercury Arc) unter die Arme. Unterstützung gibt es in „Bogeyman“ in Form von Keyboards. Ein kleines Wagnis, das glückt. „Memorial“ beinhaltet einen fetten Groove und cleane Vocals, die endlich wieder einen Wiedererkennungswert besitzen und zum Song passen wie die Faust aufs Auge. Gleich zu Beginn der Platte wird klar, dass „Caliban“ versucht Aggressivität zurückzugewinnen, neue Elemente hinzuzufügen und den Großteil der Songs mit grandiosen cleanen Gesang zu paaren.

Die Gitarren klingen auf „I Am Nemesis“ eindeutig nach Metalcore, wie „No Tomorrow“ beweist. Stilveränderung oder auf den fahrenden Deathcore-Zug aufspringen kommt also für „Caliban“ nicht in Frage. Auch nicht als die ehemaligen Tourkollegen von „As Blood Runs Black“ als Groupshouter für das neue Album ins Studio eingeladen wurden. „Edge of Black“ schafft es wie „Memorial“ schon nach dem ersten Hördurchgang sich anhand von klaren Melodien im Gedächtnis zu verankern. Dabei tauchen immer wieder Breakdowns auf, die passender nicht in Kombination zu Melodie und Gesang stehen könnten. Etwas schleppender und weitaus düsterer wird in „Davy Jones“ zu Tage gegangen, bevor ein drastischer Umschwung in melodischere Gefielde von statten geht. Alte Fans mögen ihre Kommerzvorwürfe wieder auffrischen. Doch das sollte einen modernen Metal-Fan bei Nummern wie dieser kaum stören. Das ist eine Band, die wieder zu gutem Songwriting zurückgefunden hat.

Verhoffterweise folgt dann auch eine brachiale Nummer wie „Deadly Dreams“, die einem kurz die Rübe zurechtrückt. Diese Welt ist nun einmal kein Schauplatz für Blumen und grüne Wiesen. Kids, keine Angst. In „Open Letters“ kommen wieder vermehrt Metalcore-typische Gitarren zum Einsatz und Denis Schmidt würde euch im Chorus mit seinem Gesang ganz bestimmt in den Schlaf singen. „Würde“, wenn da nicht noch das englisch/deutsch-sprachige „Dein R3.ich“ folgen würde, bei dem die Lauscher nochmals auf ganz feinen Sendeempfang gestellt werden. „Caliban“ hat seit ihrem rammstein Cover „Sonne“ wohl Gefallen an deutschen Lyrics gefunden. Nachdem „Maroon“ und „Heaven Shall Burn“ dies auf ihren vorherigen Scheiben getan haben, ist es nicht verwunderlich, dass weitere deutsche Bands diesen Schritt wagen. Danach wird nochmals ordentlich die Bass-Drum geplagt. „Broadcast to Damnation“ wäre nur halb so stark, hätte man nicht einen Chorgesang im Hintergrund und Keyboard-Samples hinzugefügt. Gegen Ende erblickt dann ein kleine „Caliban“-Ballade das Licht der Welt. „This Oath“ berührt das Herz nicht wirklich, geht musikalische gesehen trotzdem vollkommen klar. Ein gebührender Abschluss feiert die Band mit „Modern Warfare“, in dem nochmals alle starken Element von „I Am Nemesis“ gebündelt werden. Brutalität, Groove und himmlische cleane Vocals.

„I Am Nemesis“ ist eines der flexibelsten Werke Calibans, das sich durch gutes Songwriting und zwei Vocalisten auszeichnet, die sich abwechselnd in Harmonie und Brutalität hervorragend ergänzen. Wo bei „Awakening“ noch ordentlich getrashed wurde, kommen jetzt vermehrt groovende Elemente zum Einsatz, die dem Hörer weitaus mehr Freude bereiten. Selbst auf lange Sicht bietet diese Scheibe Abwechslung und macht wahnsinnig viel Spaß. Wer von „I Am Nemesis“ nicht genug bekommen kann, sollte sich dich Special Edition zulegen, die mit sieben Coverversionen und einem Remix auf euch wartet. „Caliban“ is back!

Tracklist:
01 – We Are the Many
02 – The Bogeyman
03 – Memorial
04 – No Tomorrow
05 – Edge of Black
06 – Davy Jones
07 – Deadly Dream
08 – Open Letter
09 – Dein R3.ich
10 – Broadcast to Damnation
11 – This Oath
12 – Modern Warfare

Special Edition (Bonus Disc)
01 – Shout at the Devil (Mötley Crüe)
02 – Sonne (rammstein)
03 – Feasting on the Blood of the Insane (Six Feet Under)
04 – Die Die My Darling (Misfits)
05 – Blinded by Fear (At The Gates)
06 – High Hopes (Pink Floyed)
07 – Among the Living (Anthrax)
08 – Edge of Black (Remix)

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4 Antworten

  1. hellsingsblog

    Konnte mit Caliban noch nie viel anfangen. „Say Hello to Tragedy“ fand ich okay, aber nicht herausragend. Also sollte man „I Am Nemesis“ eine Chance geben? 🙂

    Was sagste zu Whitechapel?

    23. Februar 2012 um 18:39

    • „I Am Nemesis“ ist ein super „Caliban“ Album. Wenn man aber mit der Band nie etwas anfangen konnte, dann wird man sich auch beim neuen Album schwer tun. Man muss wohl auf auf Metalcore mit cleanen Gesangseinlagen stehen.

      Zu Whitechapel: Ein hervorragender Sänger und coole Deathmetal-Riffs. Aber die Drums hören sich auf „This Is Exil“ verdammt nach Drum-Computer an. Ich greife nach vor lieber auf „Suicide Silence“ und „Job For A Cowboy“ zurück. Trotzdem eine Bereicherung für meine Sammlung 😉

      24. Februar 2012 um 14:37

  2. Pingback: Caliban: Neuer Song “Devil’s Night” als Stream + Tourdaten | 24hourhate

  3. Pingback: Caliban: Video zu “Devil’s Night” | 24hourhate

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