News und Reviews aus Alternative, Punk, Hardcore und Metal

Lou Reed & Metallica – Lulu


Metallica begibt sich ins Studio und nimmt Lou Reed (bekannt als Sänger und Gitarrist von Velvet Underground) mit ins Studio. Damit hätten wir noch nicht alles. Wenn auch Frank Wedekind nicht mehr anwesend sein kann, so sind es zumindest seine zwei Werke „Erdgeist“ und „Die Büchse der Pandora“. Genau diese besagten Stücke des deutschen Dramtikers ergeben letztendlich das Werk, das sich „Lulu“ nennt.

Nachdem Lou Reed am Berliner Theater schon Musik zu „Lulu“ beisteuern durfte, liegt es nicht weit entfernt, seine musikalische Reife und seine neu gewonnene Erfahrung am Theater mit der größten Metal-Band aller Zeiten auszutauschen um ein Experiment zu wagen, das viele Kritiker schon vor der Veröffentlichung verurteilten.

Um eines vorweg zu nehmen. „Lulu“ ist kein Metallica-Album und kein Lou Reed-Album. Es ist eine Kollaboration und es handelt sich um ein dramatisches Theaterstück, das vertont wurde. Dabei ist etwas ganz individuelles entstanden, das in keine Genre-Ecke passt.

„Lulu“ dreht sich um das gleichnamige Mädchen, das sich sehr freizügig bewegt und Männer in ihren Bann zieht. Lou Reed trägt mit seinem Sprechgesang die Geschichte des Mädchen vor, während James Hetfield an geeigneten Passagen mit seinem Gesang dem alten Cowboy unter die Arme greift. Zugegeben. Nach „Brandenburg Gate“ bekommt man das Gefühl, dass hier richtig gut gearbeitet wurde. Doch dann kommt schon das große ABER. Spätestens beim dritten Song beginnt der Sprechgesang von Lou Reed zu nerven. Und zwar massiv. Das machen die Streicher in „Cheat On Me“ wieder gut, aber nur für kurze Zeit. Denn der alte Cowboy setzt mit seine monoton gesprochenen/gesungenen Textzeilen erneut ein. An dieser Stelle muss betont werden, dass musikalisch gesehen alle Songs ihren Reiz besitzen und James Hetfield seine Sache gut macht. Nach CD Nummer Eins würde man sich wünschen, dass Lou Reed und Metallica die Musik für sich hätte sprechen lassen.

Schweren Mutes packe ich dann doch noch die zweite CD in den Player und drücke die Play-Taste. Schön, dass der erste Track „Frustration“ lautet, denn meine Frustration steigt. Wie erwartet geht es weiter wie der erste Silberling aufgehört hat. Ein super Song, den der Cowboy mit bloßen Worten zerstückelt, sodass sich bei jedem Musikliebhaber das Gefühl von Wut breit macht. Textzeilen wie „I want so much to hurt you“, „I wish that I could kill you“ bringen mich für einen Augenblick nochmals runter. Denn bei diesen Zeilen hat man endlich die Möglichkeit vor seiner Anlage Lou Reed mit seinen eigens gesprochenen Worten anzubrüllen. Den Rest erspare ich mir. CD 2 führt das was auf CD 1 zelebriert wurde fort. Musikalisch in Ordnung, was nervt ist der Cowboy, der meint ein episches Werk mit Metallica geschaffen zu haben.

Die Zusammenarbeit von „Metallica“ und „Lou Reed“ hörte sich vielversprechend an. Was dabei resultiert sind zwei CDs bei denen man wünscht Metallica hätte Lou Reed niemals das Mikrophon in die Hand gedrückt. Ich stimme zu, dass es Sinn macht anhand von Spoken-Word-Lyrics zu arbeiten, wenn man ein Theaterstück vertonen will. Leider ist Lou Reeds Sprechgesang zu monoton und viel zu sehr im Vordergrund. Außerdem bekommt man keineswegs das Gefühl ein dramatisches Werk um die Ohren zu bekommen. Ein Instrumental-Werk würde völlig in Ordnung gehen. Ob die Platte dann den Namen „Lulu“ verdient hätte sei dahingestellt. Wenigstens könnte man sich dann die Platte am Stück anhören.

Tracklist:

CD 1
01. Brandenburg Gate
02. The View
03. Pumping Blood
04. Mistress Dread
05. Iced Honey
06. Cheat On Me

CD 2
01. Frustration
02. Little Dog
03. Dragon
04. Junior Dad

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s